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Grippe

Grippe

Grippe (Influenza, "echte" Grippe): Infektion, hervorgerufen durch das Influenzavirus (Myxovirus influenzae) A, B oder C (mit zahlreichen Subtypen).

In 80 % der Fälle zeigen sich keine oder nur leichte Erkältungsbeschwerden. Ansonsten beginnt eine "echte" Grippe plötzlich und heftig mit hohem Fieber, ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen und trockenem Husten.

Gefährlich ist die Grippe für Personen mit geschwächtem Immunsystem, für ältere Menschen und Patient*innen mit Vorerkrankungen. Sie machen das Gros der jährlichen ca. 5000–8000 Grippetodesfälle in Deutschland aus. Die Häufigkeit der influenzabedingten Todesfälle schwankt jedoch von Saison zu Saison stark. So starben in der Grippesaison 2014/15 nach Angaben des Robert Koch-Instituts geschätzt 21300 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Influenza, in der Grippesaison 2011/12 dagegen etwa 2400.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Plötzlicher Krankheitsbeginn mit Frösteln
  • Rasch auftretendes Fieber (über 38,5 °C)
  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
  • Müdigkeit, starkes Krankheitsgefühl
  • Husten mit keinem oder wenig Auswurf
  • Manchmal Schnupfen, Halsschmerzen.

Wann in die Arztpraxis

Am selben Tag, wenn

  • das hohe Fieber länger als 2–3 Tage anhält oder nach Abfall der Temperatur erneut ansteigt (bakterielle Zweitinfektion).
  • ein Baby Grippesymptome zeigt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Influenzaviren werden beim Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzt und gelangen so über kleinste Tröpfchen in die Atemwege anderer Menschen. Direkter körperlicher Kontakt wie Umarmen oder Händeschütteln verbreitet die Viren ebenfalls. Zudem werden die Erreger durch das Anfassen von Türklinken oder Haltegriffe in Bussen und Bahnen leicht auf andere Menschen übertragen. Ansteckend ist Grippe schon 24 Stunden vor Auftreten der Beschwerden und bleibt es bis zu 7 Tage nach Erkrankungsbeginn.

Klinik

Das klinische Bild einer Influenzaerkrankung reicht von unbemerkter Infektion bis zu einem schwersten Verlauf mit tödlichem Ausgang. 1–3 Tage nach Ansteckung treten die klassischen Beschwerden der Grippe auf: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber (mehr als 38,5 °C), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, zunächst trocken-schmerzhafter Husten, Schnupfen und starkes Krankheitsgefühl. Neben den geschilderten Beschwerden können auch Halsschmerzen, Lichtscheu oder Bindehautentzündungen auftreten. Bei Säuglingen und Kleinkindern finden sich grippebedingt auch Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen. Das Fieber hält meist 2–3 Tage an. Wenn es nach Temperaturabfall erneut ansteigt, kann eine zusätzliche Infektion mit anderen Erregern – meist Bakterien – vorliegen.

Komplikationen

Gefährliche Komplikationen sind die Influenzapneumonie (Grippelungenentzündung) und Entzündungen des Herzmuskels oder des Gehirns, die sogar tödlich enden können. Ausgedehnte Schädigungen der Schleimhäute durch die Viren führen teilweise zu zusätzlichen bakteriellen Lungenentzündungen. Der infektbedingte Blutdruckabfall kann vor allem beim Aufstehen zu Schwindel und Schwarzwerden vor Augen führen. Nach einer Grippe halten die Müdigkeit und Schwäche zum Teil wochenlang an; die Genesung ist typischerweise verzögert. Komplikationen können auch bei sonst gesunden Erwachsenen auftreten, betreffen aber vor allem Menschen mit Grundkrankheiten wie chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes, Immundefekten sowie Kinder bis 4 Jahre oder Erwachsene über 65 Jahre.

Diagnosesicherung

Während einer Grippewelle fällt der Ärzt*in die Diagnose durch die typischen Grippebeschwerden mit plötzlichem Erkrankungsbeginn, Schüttelfrost, hohem Fieber, trockenem Husten, Muskel- und Kopfschmerzen sehr leicht. In Zweifelsfällen dient der Influenza-Schnelltest der schnellen orientierenden Diagnose, insbesondere auch vor einer geplanten antiviralen Therapie. Dazu werden Nasensekret oder ein Abstrich aus der Rachenschleimhaut entnommen und im Schnelltest untersucht. Ein positives Ergebnis im Schnelltest hat vor allem während einer Grippewelle einen hohen Aussagewert. Im späteren Verlauf der Erkrankung ist der Schnelltest jedoch häufig falsch-negativ. Dann kann die Infektion noch gut labordiagnostisch anhand des direkten Nachweises von Virus-Antigenen aus Nasen- oder Rachensekret per PCR bestätigt werden.

Behandlung

Bei einem unkomplizierten Verlauf bei ansonsten gesunden Erwachsenen reicht es, die Beschwerden zu lindern (Schmerzmittel, eventuell Fiebersenkung) und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei schlechtem Allgemeinzustand wird die Behandlung im Krankenhaus notwendig.

Pharmakotherapie

Neuraminidasehemmer. Als Medikamente, die speziell gegen das Influenza-Virus wirken, kann die Ärzt*inNeuraminidasehemmer (Zanamivir, z. B. Relenza®, und Oseltamivir, z. B. Tamiflu®) verschreiben, die gleichwertig sind und entweder als Kapsel oder Lösung (Oseltamivir) oder als Inhalation (Zanamivir) verabreicht werden.

Werden Neuraminidasehemmer bis spätestens 48 Stunden nach Krankheitsbeginn eingenommen, verkürzen sie die Dauer der Grippe bei zuvor gesunden Erwachsenen um etwa einen Tag. Dieser Effekt ist aber genauso wie ein weiterer, nämlich die Verhütung von Komplikationen der unteren Atemwege wie die erwähnte Influenzapneumonie, umstritten. Bei Kindern sind Neuraminidasehemmer leider nur wenig wirksam (die Gründe sind unbekannt).

So lange es für Neuraminidasehemmer noch keinen Ersatz gibt, empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Virologie und die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie weiterhin die rasche Behandlung mit Neuraminidasehemmern bei schwerkranken Influenzapatient*innen und bei Patient*innen mit erhöhtem Risiko für Komplikationen. Nach direktem Kontakt mit Influenzapatient*innen ist bei Risikopatient*innen und medizinischem Personal die vorsorgliche Einnahme von Neuraminidasehemmern zu erwägen

Nebenwirkungen von Neuraminidasehemmern sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, gelegentlich grippeähnliche Symptome oder asthmatische Beschwerden. Sehr selten treten allergische Reaktionen, Leberfunktionsstörungen oder neurologische Störungen (Schlaflosigkeit, Nervosität) auf.

Antibiotika. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Zweitinfektion, werden Antibiotika zur Behandlung eingesetzt. Ein vorbeugender Einsatz von Antibiotika kann bei Risikopatient*innen (z. B. immungeschwächten Menschen) sinnvoll sein, um eine bakterielle Zweitinfektion zu verhindern.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Symptome lindern. Zur Behandlung einer Grippe dienen auch symptomatische Maßnahmen. Ruhe, frische Luft im Schlafzimmer und abgedunkelte Fenster machen die Situation erträglicher. Es ist wichtig, genügend zu trinken, d. h. mindestens 2 Liter pro Tag. Viele Leute kennen ein eigenes "Erkältungsgetränk", auf das sie schwören: z. B. heiße Milch mit Honig, Erkältungstee, heißes Zitronenwasser, heißer Holunderbeersaft, mit Wasser aufgebrühter frischer Ingwer oder auch heiße Bouillon. Darüber hinaus feuchten Dampfinhalationen die Schleimhäute an und helfen beim Abhusten von Sekret. Alternativ kann man versuchen, mit einer Salzwasserlösung (½ TL Kochsalz auf 1 große Tasse warmes Wasser) den Schleim in der Nase zu lösen, wodurch die Nasenatmung erleichtert wird, manchen Patient*innen hilft zum Schleimlösen auch die Benutzung einer Nasendusche (Weitere Tipps bei der akuten Bronchitis).

Geeignete Medikamente

Abschwellende Nasenmedikamente. Je nachdem, wie quälend die Beschwerden sind, empfehlen sich auch Medikamente zum Dämpfen des Hustens oder zum Abschwellen der Schleimhäute. Nasentropfen und -sprays lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, wodurch Nase und Nasennebenhöhlen besser durchlüftet werden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung verringern. Nehmen Sie jedoch abschwellende Präparate nie länger als sieben Tage ein! Sonst droht die Nasenschleimhaut auszutrocknen und die Nase chronisch zu verstopfen.

Schmerzmittel. Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol (z. B. Benuron®), Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder Ibuprofen lindern Kopf- und Gliederschmerzen und fördern – vor dem Einschlafen genommen – die Nachtruhe. Viel Schlaf und, nach Besserung des Befindens, Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Genesung.

Schleimlöser. Bei Sekretstau empfiehlt die Naturheilkunde Präparate zur Schleimlösung (z. B. Gelomyrtol®). Myrtol ist ein ätherisches Öl, das u. a. aus je 25 % Limonen und Cineol (dem Hauptbestandteil des Eukalyptusöls) besteht. Seine Wirksamkeit bei Bronchitis und akuter Nebenhöhlenentzündung wurde in zwei Studien bestätigt. Eukalyptusöl gibt es auch in Form von Kapseln (z. B. Aspecton® Eukaps). Es wird schnell in den Blutkreislauf aufgenommen und zu den Atemwegen transportiert, wo es dann zur Erleichterung der Nasenatmung beiträgt. Eine weitere Alternative ist Thymian, das die Sekretabgabe in den Bronchien anregt und die Flimmerhärchen in den Atemwegen aktiviert. Außerdem wirkt Thymian auch krampflösend, was den Hustenreiz lindert.

Hinweis: Ätherische Öle dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Dies betrifft besonders Präparate, die Eukalyptusöl, Menthol und Kampfer enthalten.

Komplementärmedizin

Nahrungsergänzungsmittel. Erkältungen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen von einem niedrigen Zinkspiegel begleitet, wenn der Betroffene sich vegetarisch oder einseitig ernährt oder unter einer chronischen Darmerkrankung leidet (ob ein Zinkmangel generell besteht, ist dagegen umstritten). Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass bei Erkältungen Zink verbraucht wird und ein erhöhter Bedarf besteht. Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien hat gezeigt, dass die Einnahme von Zink die Schwere von Erkältungskrankheiten verringert und die Dauer der Symptome um 3–4 Tage verkürzt. Auch Grippe können Zinkpräparate vorbeugen. Noch ist allerdings unklar, in welcher Dosis Zink am besten wirkt und wie lange es eingenommen werden sollte. Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass mehr als 75 mg Zinkacetat pro Tag einen krankheitsverkürzenden Effekt erzielen. Diese Dosis verringerte bei den Studienteilnehmern die Erkältungszeit um fast die Hälfte. Mit anderen Zinksalzen und ebenfalls einer Tagesdosis von über 75 mg verkürzte sich die Krankheitsdauer um 20 Prozent. Weniger als 75 mg erzielten hingegen keinen Effekt.

Möglicherweise wirkt sich auch eine "Stoßtherapie" mit Vitamin C (1000 mg pro Tag) günstig auf den Krankheitsverlauf aus, was aber ebenfalls umstritten ist.

Fußbäder. Wechselfußbäder können den Genesungsprozess unterstützen. Beide Füße werden zweimal hintereinander abwechselnd in eine Wanne mit warmem Wasser und kaltem Wasser getaucht, anschließend ziehen Sie warme Wollsocken an.

Phytotherapie. Ist das Krankheitsgefühl ausgeprägt, empfiehlt die Phytomedizin die frühzeitige Anwendung von Angocin Anti-Infekt®, das Extrakte von Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält. Bei diesen Inhaltsstoffen handelt es sich um Senfölglukoside. Sie wirken gegen einige Bakterien wie z. B. Staphylokokkus aureus oder E. coli ähnlich gut wie Standard-Antibiotika. Im Vergleich zu Antibiotika verursachen Senfölglukoside aber deutlich weniger Nebenwirkungen und sind daher besser verträglich.

Populär ist die Einnahme von Präparaten aus Sonnenhut (Echinacea purpurea, z. B. Echinacea-ratiopharm® Liquid oder Echinacin®). Der Wirkstoff soll die Aktivität des Immunsystems anregen. Inzwischen ist eine moderate Wirkung relativ sicher belegt.

Prävention

Impfung. Zur Vorbeugung wird die jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen, die vorzugsweise im Oktober stattfinden sollte. Im Falle einer drohenden Epidemie kann die Impfung auch noch später nachgeholt werden. Die Impfung verhindert den Ausbruch der Erkrankung bei gesunden Menschen zu 75–80 %.

Die ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Grippeschutzimpfung:

  • Personen über 60 Jahren
  • Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit chronischen Krankheiten von Herz, Lunge, Leber, Niere, Diabetes oder Immundefekten sowie chronischen neurologischen Grunderkrankungen wie z. B. Multiple Sklerose
  • Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat, bei erhöhter gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens schon in der Frühschwangerschaft
  • Medizinischem Personal
  • Personen, die mit sog. Risikopersonen in einem Haushalt leben. Dies sind Menschen, bei denen aufgrund von Immundefekten oder einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz die Grippeimpfung nur reduziert wirksam ist
  • Beschäftigten in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen
  • Personen mit direktem Kontakt zu Wildvögeln oder Geflügel, um problematische Doppelinfektionen zu vermeiden
  • Allen Personen, wenn eine Epidemie droht oder eine neue Erregervariante zu erwarten ist und der Impfstoff die neue Variante enthält.

Einer aktuellen Studie zufolge schützt die Grippe-Impfung auch vor einem Herzinfarkt. Davon profitieren sowohl Herzpatient*innen als auch Gesunde. Demnach sank bei geimpften Personen über 40 Jahren das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, um 20 Prozent.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Grippeimpfung.

Für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren steht eine nasale Impfung zur Verfügung. Dabei wird ein Lebendimpfstoff in die Nase gesprüht und über die Schleimhaut aufgenommen. Die Wirksamkeit ist laut Studien sogar höher als bei der intramuskulären Verabreichung.

Ansteckung vermeiden. Als weitere Vorsorgemaßnahme sollten ungeimpfte Personen kleinen Kindern, Schwangeren, Grippekranken und Abwehrgeschwächten fernbleiben, also deren Nähe und erst Recht den Hände- und Hautkontakt strikt meiden.

Weiterführende Informationen

  • www.rki.de – Die Website des Robert Koch-Instituts bietet aktuelle Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenzainfektion

07.12.2021 | Kristine Raether-Buscham; Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Einleitung und der Sektionen "Die Erkrankung", "Diagnosesicherung", "Behandlung", "Ihre Apotheke empfiehlt", "Prävention", "Weiterführende Informationen": Dr. med. Sonja Kempinski ; Bildrechte: Size Square's/Shutterstock.com